Rund um die Mühlendammbrücke an der Fischerinsel herrscht momentan für Fußgänger das reinste Baustellenchaos. Auf der Suche nach dem rechten und vielleicht auch kürzeren Weg fand ich mich zwischen Hochhäusern wieder und blickte auf ein paar eingegitterte alte Steine. Auf dem ersten Blick schnöde, steht hier Berlins älteste Latrine!
Die Fischerinsel als Geburtsort Berlins
Die historische Mitte der Hauptstadt liegt nahe der Fischerinsel an der Spree. Zu einer Großstadt entwickelte sich Berlin durch das Einverleiben der umliegenden Dörfer, aber der erste Schritt zu einer Stadt lag im Zusammenwachsen der Siedlungen Berlin und Cölln im Mittelalter. Der Begriff „Stadt“ umfasst aber nicht die heutigen Ausmaße: Nach dem Zusammenschluss von Berlin-Cölln zählte die Stadt etwa 9000 Einwohner …
Spuren der ursprünglich zwei Städte gibt es nur wenige, dafür wurde einfach zu viel gebaut und geändert. Allerdings gilt das Gebiet zwischen Friedrichswerder und Alexanderplatz als Bodendenkmal und wer hier baut, ist verpflichtet, Archäologen hinzuziehen. So ließen sich dann doch einige Spuren der Stadt Cölln finden.
Besonders ergiebig war eine Untersuchung am Mühlendamm vor etwa zehn Jahren. Damals wurden zahlreiche Siedlungsreste gefunden, die sich bis in die Gründungszeit Cöllns datieren ließen. Ein Highlight war die Latrine aus dem 14. Jahrhundert. Worüber sich Archäologen halt so freuen. Denn die Toilette war gefüllt mit allerlei Müll, aus dem sich viel über die dort damals wohnenden Menschen herausfinden ließ. Welche Haushaltsmaterialien ihnen beispielsweise zu Verfügung standen oder welche Lebensmittel. Dass die Latrine nicht aus dem gängigen und günstigen Material Holz, sondern aus Ziegeln bestand, verrät, dass hinter ihrer Einrichtung Geld und der Wunsch nach Langlebigkeit standen. Aber schon die Existenz einer Latrine an sich zeigt, dass die Siedlung organisiert war. Schließlich muss sie gewartet und geleert werden …

Die Latrine hinter Gittern
Am Mühlendamm 1 zwischen zwei Gebäuden hat die Latrine heute ihren Platz. Die Informationsschilder und ein Schutzbau geben den Hinweis darauf, dass der quadratische Ziegelbau nicht nur ein paar Mauerreste sind.
Wer hätte gedacht, dass eine einfache Latrine solch ein historisches Juwel sein kann und sich zwischen zwei normalen Wohnhäusern besichtigen lässt. Die Informationsschilder sind sogar zweisprachig.
Persönlich finde ich gerade diese kleinen Spuren der Berliner Geschichte, die sich auf einen Spaziergang entdecken lassen interessanter als manchen Museumsbesuch und sie stehen zudem jedem jederzeit offen …