Seit dem 16. Jahrhundert gibt es in Berlin die Tradition der Weihnachtsmärkte und mittlerweile soll es bis zu 50 verschiedene Weihnachtsmärkte geben. Manche finden nur an ein oder zwei Tagen statt, andere dauern bis in den Januar hinein. Für einen Überblick gibt es sogar eine eigene Seite, erstellt von der Berliner Senatsverwaltung: den Berliner Weihnachtsmarkt-Finder
Die schier unüberschaubare Zahl an Weihnachtsmärkten in Berlin macht es möglich, jedes Jahr einen zu besuchen, auf dem man noch nie war. Ich finde die kleinen Kiez-Weihnachtsmärkte und die internationalen besonders reizvoll. Allerdings finden die meist nur an einem Wochenende statt. Der Rixdorfer, der britische und der norwegische Weihnachtsmarkt sind beispielsweise nur am 6. Dezember. Da gilt es, sich zu entscheiden, welcher am reizvollsten ist …
Jedes Jahr gibt es auch neue Weihnachtsmärkte in Berlin zu entdecken. Dieses Jahr gehören dazu beispielsweise der Stranger Things Weihnachtsmarkt oder der Weihnachtsmarkt am KaDeWe.
Als Fan der öffentlichen Verkehrsmittel besuche ich vor allem Weihnachtsmärkte, die sich leicht mit Bus und Bahn erreichen lassen. Die U2 beispielsweise lässt sich ideal für die Anfahrt zu einigen Weihnachtsmärkten nutzen wie dem Lucia Weihnachtsmarkt in der Kulturbrauerei (U-Bahnstation Eberswalder Straße), den Weihnachtsmärkten rund um den Alex, dem am Gendarmenmarkt (U-Bahnstation Hausvogteiplatz), dem am Potsdamer Platz oder dem auf dem Breitscheidplatz (U-Bahnstation Zoologischer Garten).
Für Touristen und Anspruchslose: der Weihnachtsmarkt auf dem Alex
Der Weihnachtsmarkt direkt am Alex ist praktisch …
Hier treffen Pendler auf Schlender, Touristen auf Rosen-Bettler, es gibt eine Rollschuhbahn und allerlei Essen und Trinkbares. Die klassischen Weihnachtsmarktgerichte- und Getränke lassen sich alle finden. Es gibt verschiedene Stände, die über das Essen hinaus Kaufbares anbieten. Aber wer braucht so viele Leuchtsterne, T-Shirts und Mützen? Das Angebot wiederholt sich und ist vielleicht eher an Erstbesucher und Touristen gerichtet. Spannend finde ich den Stand mit handbemalter Keramik, die im Dunkeln leuchtet.

Alles in allem lässt sich am Alex gut ein Feierabend ausklingen und Rollschuh fahren. Wer es aber besinnlich oder gemütlich bevorzugt, wird hier schwer in Stimmung kommen.
Klassischer Weihnachtsmarkt am Roten Rathaus
Der Weihnachtsmarkt zwischen dem Roten Rathaus und der Marienkirche ist traditionell und bietet mit dem Riesenrad den besten Ausblick. Kunsthandwerk trifft auf Glühwein und Grünkohl, auf dem Weihnachtsmarkt lässt es sich schlendern und schlemmen. Allerdings ist er trotz seiner Größe nahezu immer voll. Wer in Ruhe ohne Gedrängel schlendern will, kommt am besten am frühen Nachmittag. Da ist dann die Stimmung mit den vielen Lichtern nicht ganz so besinnlich.

Neben dem Panoramariesenrad gibt es einzelne kleine Karussells und die kleine Eislaufbahn rund um den Neptunbrunnen zur Unterhaltung.
Feuerzangenbowle auf dem Winterfilmfest im Nikolaiviertel
Kein Weihnachtsmarkt, sondern ein Winterfilmfest findet sich im Nikolaiviertel. Hier gibt es nicht viele Verkaufsstände, sondern eigentlich nur drei Stände, die Besucher mit den wichtigsten Getränken und Gerichten versorgen. Im Zentrum stehen die Feuerzangenbowle und der gleichnamige Film mit Heinz Rühmann. Direkt neben der Nikolaikirche sind Sofas und eine kleine Leinwand zum Filmgucken aufgebaut. Es gilt sogar, wer Pfeiffer mit drei F heißt, bekommt eine Feuerzangenbowle umsonst.

So minimalistisch dieses Setting wirkt, so schön ist es im Dunkeln, wenn die Winterdekoration leuchtet und die umliegenden Läden zusätzlich Glühwein und Leckereien anbieten. Viel kulinarische Auswahl oder Rummel gibt es hier nicht, dafür punktet das Winterfilmfest mit Ambiente und Atmosphäre.
Durch die Welt geschlemmt auf dem Wintermarkt am Humboldt Forum
Mein persönlicher Favorit ist bisher der Wintermarkt am Humboldt Forum. Das liegt an der Location und der kulinarischen Auswahl. Abgesehen von den traditionellen Gerichten gibt es hier Stände, die Snacks aus Korea, Indien, Nepal, Jamaika und anderen Ländern anbieten. Viele Sitzgelegenheiten und Feuerstellen ermöglichen es, hier auch bei kaltem Wetter länger zu verweilen. Während sich vor dem Forum vor allem die Stände mit Getränken und Essen ballen, sind im Schlüterhof Kunsthandwerk und Spezialitäten zu finden.

Im Durchgang zum Hof und an den Fassaden sorgen Illuminationen für eine besondere Stimmung. Für mich ein wenig störend ist die arg laute Musik im Hof, gut dass ich da nicht arbeiten muss und schnell weiter gehen konnte …
Die Location ist ideal, um den Besuch des Marktes gleich mit einem Museumsbesuch zu kombinieren. Da es ein Wintermarkt ist, lässt er sich auch noch nach Weihnachten bis ins neue Jahr hinein besuchen.
Rodeln und Schlittschuhfahren am Potsdamer Platz
Der Potsdamer Platz ist für mich ein wenig seelenlos. Und so auch die dortige Winterwelt. Das Highlight ist die Rodelbahn. Die Stände drumherum versorgen mit Essen, Trinken und Tinnef. Hier lässt sich gut mit Kollegen oder Freunden den Feierabend verbringen oder in den Abend einsteigen, aber besinnlich ist anders.

Stimmungsvoller finde ich dieses Jahr die Eisfläche im Center. Da, wo im Sommer Wasserfontänen emporschießen, ist jetzt eine Eisfläche zum Schlittschuhlaufen. Mittendrin ein Weihnachtsbaum. Kein richtiger Weihnachtsmarkt, aber ganz nett gemacht. Zumal es sich in den umliegenden Restaurants und in der KERB Food Hall kulinarisch ganz gut aushalten lässt. Ein Highlight ist dann für manche vielleicht auch der Schaumschnee, der hier ab 17 Uhr fällt.

Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche
Weihnachtsdöner, Corn Dogs und viele Fotospots gibt es auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. Hier punktet vor allem die Location direkt an der Gedächtniskirche und die Dekoration. Alle paar Meter gibt es eine leuchtende Figur, auf die es sich sitzen lässt, um kitschige Weihnachtsfotos zu machen.

Der Fokus liegt bei den Ständen auf Essen und Trinken, zwischendurch sind ein paar Handwerksstände zu finden. Karussells oder andere Aktivitäten entdecke ich nicht. Dafür sorgen viele Tische dafür, dass sich hier einige Zeit zusammen bei einem Glühwein verbringen lässt, wenn das Wetter stimmt …
Bei aller Besinnlichkeit wird auch den Opfern des Anschlags gedacht:

Der kleine Neue: der Weihnachtsmarkt am KaDeWe

Der Weihnachtsmarkt am KaDeWe ist übersichtlich, aber nett hergerichtet. Mit seiner Lage direkt neben dem KaDeWe und Wittenbergplatz lohnt er sich vor allem für diejenigen, die in der Nähe sind. Lediglich Marshmallowfans würde ich nahe legen, extra dorthin zu fahren, denn hier lassen sich die süßen Klebedinger über offenem Feuer rösten. Allerdings macht der KuDamm abends mit der Winterbeleuchtung schon einiges her, sodass der Weihnachtsmarkt ein guter Start- oder Endpunkt für einen Spaziergang sein kann.

Für Stranger Things Fans: Hawkins Christmas Market
Wer extrem geduldig und Stranger Things Fan ist, darf sich den Hawkins Christmas Market nicht entgehen lassen. Er geht bis zum 30 Dezember. 5 Minuten Laufzeit vom U-Bahnhof Zoologischer Garten entfernt, hat Netflix am Kurfürstendamm zum Start der fünften Staffel von Stranger Things einen einzigartigen Weihnachtsmarkt gestartet.

Der Weihnachtsmarkt teilt sich in einen kostenlosen Indoor- und Outdoorbereich. Für den Innenbereich mit Kulissen aus der Serie und Arcade-Spielautomaten gilt es anzustehen. Scheinbar gibt es echt viele Fans, denn selbst an einem Dienstagnachmittag zieht sich die Schlange um das nebenstehende Gebäude. Im Internet wird gemunkelt, wer 14:30 kommt, also mindestens eine halbe Stunde vor der Öffnungszeit, muss zumindest weniger als die üblichen 2 Stunden warten …

Dafür reicht meine Geduld nicht und ich beschränke meinen Besuch nur auf den übersichtlichen Outdoor-Bereich mit Punsch- und Waffelstand. Obacht, hier gibt es nur Kartenzahlung. Dafür sind die Preise mehr als nur fair: Der Punsch kostet drei Euro und Tassenpfand 2 Euro. Mich würde interessieren, ob es überhaupt Personen gibt, die ihre Tasse zurückbringen. Cool finde ich, dass alle Getränke alkoholfrei sind. Am Waffelstand gibt es zwar keine Eggos, aber Waffeln in Form eines Demogorgons. Die Schlangen für diese beiden Stände sind wesentlich kürzer, und ich wartete nur 5 Minuten.
All-inclusive auf dem Weihnachten an der Spree
Der Weihnachtsmarkt an der Spree ist zwar nicht mit der U2 zu erreichen, aber nicht weit von der Station Warschauer Straße entfernt. „Weihnachten an der Spree“ ist ein All-inclusive-Weihnachtsmarkt. Das Ticket wird online für ein Zeitfenster gebucht. Der Preis unterscheidet sich je nach Wochentag und Eintrittszeit. Die günstigsten Tickets liegen bei 35 Euro und wir haben 45 Euro an einem Sonntag bezahlt. Das klingt auf dem ersten Blick teuer, aber mit einigen Glühweinen, Snacks und Süßigkeiten ist der Eintrittspreis wieder drin.

Die Location direkt an der Spree mit Blick auf die Oberbaumbrücke macht was her. Zumal der Markt mit Lichtern und Dekoration nett anzusehen ist. Das Flair lässt sich am besten ab 17 Uhr genießen, denn ab 19 Uhr wurde es richtig voll, sodass kaum noch Sitzgelegenheiten oder Tische frei waren.

Neben den Essensständen und der Aussicht gibt es ein, zwei Handwerksstände und Spiele wie Jenga und Eisstockschießen. Der Fokus liegt auf Essen und dabei gibt es reichlich Auswahl. Von Vorteil sind die kleinen Portionen, sodass sich mehr ausprobieren lässt. Mein Highlight waren die veganen Köttbullar, aber auch die Käsespätzle schmeckten. Die anderen getesteten Speisen, Kartoffelpuffer, Germknödel, waren eher durchschnittlich. Feine Küche ist auf einem Weihnachtsmarkt eh die Ausnahme. Etwas enttäuschend war die Auswahl an warmen Getränken, Glühwein, ziemlich süßer Punsch und heiße Schokolade, aber davon so viel man trinken konnte … Gefallen hat mir das Prinzip des wiederverwendbaren Geschirrs, sodass nicht Unmengen an Müll produziert werden.
Alles in allem ist das Konzept all-inclusive nett, aber hat mich als Vegetarierin mit begrenzter Auswahl und ab einer bestimmten Zeit mit doch recht langen Schlangen und Menschenmassen nicht übermäßig beeindruckt.