Bis zum März gibt es im Alten Museum die Sonderausstellung „Göttinnen und Gattinnen“ zu entdecken. Sie thematisiert Frauenbilder in der Antike und mythologische Frauenfiguren.
Bei dem Begriff „Ausstellung“ denke ich an verschiedene Räume, die sich speziell einem Thema widmen. So ist es bei der Ausstellung „Göttinnen und Gattinnen“ im Alten Museum nicht. In der gesamten Sammlung sind immer wieder einzelne Informationsstelen zu finden, die sich dem Thema anhand von ausgewählten Ausstellungsobjekten annehmen. In gewisser Weise ist es spannend, diese Informationsstelen zu suchen, zu lesen und dann die Objekte mit einer neuen Perspektive zu betrachten.

Ein Beispiel für eine Neubetrachtung ist die sogenannte Berliner Göttin. Anfangs dachten Historiker*innen, dass die Statue eine Göttin darstellt. Mittlerweile ist klar, dass die Skulptur eine Grabstatue ist, die dem Gedenken diente. Sie beeindruckt vor allem durch die erhaltenen Details wie die Farbe oder die Ausgestaltung ihrer Kleidung und Frisur. Der Begriff Kore steht dabei zugleich für solche Frauenstatuen aus der griechischen Antike und für die Göttin Persephone. Diese Überlappung lässt bei mir die Frage aufkommen, ob Persephone so eine große Bedeutung als Göttin der Unterwelt zugesprochen bekam oder ob den Frauen, den solcher Grabschmuck beigestellt wurde, die individuelle Bedeutung abgesprochen wurde …

Ich hätte gerne mehr Stelen gehabt, auch gerne in der Rotunde, wo viele beeindruckend filigrane Figuren von eher nicht mehr so bekannten Göttinnen wie Hygieia zu finden sind. Allerdings würde das wahrscheinlich das Konzept der Hauptsammlung etwas stören …

Erst der letzte Raum des Rundgangs durch das Museum konzentriert sich dann einzig und allein auf das Thema „Göttinnen und Gattinnen“.
Die Sonderausstellung in einem Raum
In diesem letzten Raum gibt es klassische Objekte wie Vasen, Statuen oder Gemmen zu sehen. Einen modernen Dreh bringt die Leseecke mit aktueller Literatur zur antiken Mythologie mit Fokus auf die weiblichen Figuren. Hier lädt eine Tafel dazu ein, zu markieren, welche mythologische Figur der eigene Favorit ist. Als begeisterte Leserin von Neuinterpretationen von Mythen finde ich die verschiedenen Bücher faszinierend.

Die Ausstellung wirft einen Blick auf weniger bekannte Figuren wie Atalante und Omphale. Atalante gehörte zu Artemis Gefährtinnen auf der Jagd und im Kampf. Omphale war eine Königin und für einige Jahre die Frau von Herakles. Andere Göttinnen wie Hera spart die kleine Ausstellung nahezu aus. Dafür thematisiert sie Figuren wie Kirke, Medea oder Medusa, die jeder kennt, aber bei denen mitunter Details oft in der Darstellung ausgespart werden. Ich konnte mich nicht daran erinnern, dass Medusa die Schlangenhaare als Strafe bekommen hatte. Als Strafe dafür, dass sie mit ihrer Schönheit Poseidon dazu gebracht hatte, sie zu vergewaltigen! Die Bestrafung stammte zudem von der angeblichen Göttin der Weisheit, Athene – von jetzt an also Team Medusa …

Der Fokus der Erklärtexte liegt darauf, inwieweit die jeweiligen mythologischen Frauenfiguren mit den damaligen Frauenrollen brechen oder eben nicht. Bei den mir nicht bekannten Figuren war mir das teilweise zu wenig Information, ich würde gerne mehr wissen über die „Biographien“, die Verbreitung ihrer Geschichten und ihre Rezeption.
Die Sonderausstellung lohnt sich vor allem für diejenigen, die schon lange nicht mehr im Alten Museum waren und wieder ein wenig durch die Antikensammlung flanieren wollen mit einem neuen Schwerpunkt. Der einzige Raum, der sich nur dem Thema der Frauenbilder widmet, ist zwar facettenreich, aber meiner Meinung nach zu klein, um nur dafür den Eintritt von 12 Euro zu zahlen. Allerdings möchte ich nicht unterschlagen, dass hier unter den über 40 Objekten auch Artefakte ausgestellt sind, die sonst nicht in der Sammlung zu sehen sind und der Besuch daher eine Gelegenheit darstellt, sie zu entdecken.