Für Berliner Verhältnisse liegt die Pfaueninsel „weit draußen“ und abgelegen. Das mindert nicht die Besucherströme an schönen Tagen. Die Massen irren nicht: Auf einem Spaziergang lassen sich hier Natur und Kultur mit einer Picknickpause perfekt kombinieren.
Mit den Öffentlichen geht es vom Bahnhof Wannsee aus mit dem Bus zur Fähre, die auf die Insel übersetzt. Fähre ist ein großes Wort für diesen Katzensprung, aber anders geht’s nicht übers Wasser. Vor der Fährfahrt gilt es ein Ticket für sechs Euro zu lösen, das zugleich als Eintrittskarte für die Pfaueninsel dient. Da die Insel ein Naturschutzgebiet ist, gelten strenge Regeln, um die Landschaft zu erhalten: Hunden dürfen nicht rauf, das Rauchen ist verboten und die Wege dürfen nicht verlassen werden. Verschiedene Wege führen über die Insel und ein Plan am Fährhaus gibt einen Überblick.

Wie nagelneu: das Schloss
Wer schon mal auf der Pfaueninsel ist, darf sich nicht das Schloss entgehen lassen. Es protzt jetzt nicht unbedingt mit Größe, aber mit Stil: Zwei Türmchen, dazwischen eine Brücke – so stell ich mir ein Schloss vor! Frisch saniert wirkt es wie neu gebaut und büßt dadurch etwas Charme ein. Ab April lässt sich es von innen besichtigen.

Ein paar Meter hinter dem Schloss öffnet sich der Blick auf das Kavaliershaus. Von weiten sieht es wie ein Landhaus aus und wie so ziemlich überall in Berlin hatte auch hier Schinkel seine Finger im Spiel. Es ist bewohnt und lässt sich nicht besichtigen.

Architektonisch noch mehr begeistern mich aber die Meierei und die daneben liegenden Wirtschaftsgebäude, die im 18. Jahrhundert als „Schmuckbauernhof“ angelegt wurden. Der Adel mit seiner idealisierten Vorstellung von bäuerlicher Arbeit halt … Der Überlieferung nach hat Friedrich Wilhelm II. höchstselbst hier ab und an mit seiner Geliebten Kühe gemolken.

Die Meierei ist im gotischen Stil gebaut und erinnert eher an eine Kirche als an ein Nutzgebäude. Wie großartig muss sie an einem nebligen Herbsttag aussehen. Edgar Wallace-Fans kommt die Kulisse bekannt vor … Auch die Meierei lässt sich ab April von innen besichtigen.
Alte Bäume, Havelblick und Pfauen
Mit den alten Bäumen und einer Natur, die wenig von den Menschen bedrängt wird, haben sich hier einige seltene Insekten angesiedelt, die das Entomologenherz höher schlagen lassen. Aber was interessieren mich Eremiten und Große Eichenböcke. Selbst die vielfältige Pflanzenwelt kann ich nicht unterscheiden, ich bin für die Pfauen hier!

Die Balzzeit beginnt so ab April und reicht bis in den Sommer hinein. In der Zeit ist die Chance auf einen Rad schlagenden Pfau am größten. Wir hatten schon im März das Glück zu beobachten, wie die weißen Pfauen ein Rad schlugen. Selbst ohne Rad sind das Gefieder und die Farben der Pfauen für mich ein Highlight. Sie sind vereinzelt am Wegesrand zu entdecken und geballt im Bereich der Voliere.
Neben domestizierten Vögeln gibt es reichlich Wasservögel zu entdecken. Geduldige Vogelbeobachter könnten hier sogar Seeadler sehen. Was mich ein wenig verwundert: Keine Kaninchen nirgendwo, dabei war der ursprüngliche Name der Insel bis ins 18. Jahrhundert hinein doch Kaninchenwerder.
Rund um die Meierei liegen landwirtschaftlich genutzte Flächen und am Wegesrand lassen sich Schafe und ein Pferd mit Ponyfreund entdecken. Im Sommer unterstützen Wasserbüffel bei der Weidearbeit.

Von der Meierei lässt es sich weiter zum Luisentempel, zur Voliere, zur Liegewiese, zur Jagdhütte oder zum Brunnen samt Teich spazieren. Überall finden sich Bänke, um die Umgebung oder die mitgebrachte Stulle zu genießen.
Naturschutzgebiet hin oder her, keine herrschaftliche Insel kommt ohne Einsatz eines Gartenarchitekten aus. So sehr die Adligen die Idee „Zurück zur Natur“ auch mochten, ganz ohne Kontrolle ging es dann doch nicht. So wurde unter anderem auf der Insel dann im 19. Jahrhundert unter Leitung Lennés ein Rosengarten angelegt, der aufgrund von gefräßigen Käfern und ungünstigem Boden nicht lange überlebte. In Gedenken daran entstand ein Ergänzungsrosengarten nach englischem und französischem Vorbild und für Rosenfans lohnt sich der Besuch zur Blütezeit.
Bootshaus mit Segelschiff
Kurz bevor ein Rundgang über die Insel wieder zurück zur Fähranlegestelle führt, lässt sich ein Bootshaus entdecken. Genauer gesagt, ein Fregattenschuppen. Denn im Bootshaus gastiert im Winter eine Mini-Version einer Fregatte, das Segelschiff Royal Louise. Das historische Original war ein Geschenk des britischen Königs an den preußischen in Erinnerung an den Sieg über Napoleon und der Königin Louise.

Es wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aufgrund seines schlechten Zustands vernichtet. Wie aber jeder weiß, sind Randberliner begeisterte Segler und Bootsleute und so entstand Anfang des 21. Jahrhunderts ein Nachbau der Royal Louise, die im Bootshaus ihr Winterlager hat und ansonsten auf den Gewässern Berlins und Brandenburgs unterwegs ist.
Mit Proviant und dem Plan, alle Sehenswürdigkeiten der Pfaueninsel anzusteuern, lassen sich auf der Insel schon so zwei, drei Stunden verbringen. Für mich steht auf jeden Fall ein zweiter Besuch dieses Jahr an, um die Insel zu erleben, wenn sie aus ihrem Winterschlaf erwacht ist.