Lychen mit seinen zig Seen ist durchaus sehenswert. Uns lockte aber nicht die wilde Natur in die Flößerstadt, sondern ein privater Garten, der sich Kunst und Exotik auf die Fahnen geschrieben hatte. Den Künstlergarten im Ortsteil Retzow empfehle ich allen Gartenliebhabern. Für mich ist er eine ideale Kombination aus Natur, Garten und Kunst.
Exotik und Kunst in einem Garten
Seit Anfang 2000 haben das Ehepaar Nagel ihren Garten Stück für Stück ausgebaut, verschiedenen Pflanzen ganze Abschnitte gewidmet und allerlei Figuren und Skulpturen zwischen das Grün platziert. Neben den unterschiedlichsten Gewächsen gibt es zahlreiche tierische Bewohner des Gartens zu entdecken. Nach einer Erkundungstour lässt sich auf der Terrasse ein Kaffee trinken, in der kleinen Galerie die Werke von Jens Nagel bewundern und sogar kaufen oder in der Scheune stöbern.

Der Weg zum Kunstgarten führt hinter das Haus und dort begrüßt uns eine kleine Schildkröte, die den Zaun als Ende ihrer Welt nicht akzeptieren will. Hinter dem Gehege beginnt, abgetrennt mit einer Schranke der Kunstgarten. Gegen einen Obolus von 5 Euro erhalten wir Eintritt und eine kleine Broschüre mit Lageplan. Bevor uns Frau Nagel selbstständig auf Entdeckungstour gehen lässt, zeigt sie uns den ersten Schatz des Gartens: den größten der drei Mammutbäume. Mit Erlaubnis dürfen wir ihn anfassen und er fühlt sich samtig an.

Der Rundweg führt uns vorbei an Magnolien, Hortensien, einem Teich, Tiergehege, Nadelgehölze, Bambus und Rhododendren. Wie muss es hier zur Blütezeit aussehen! Überall finden sich kleine Schilder, die die Pflanzen benennen. Zwischen den Pflanzen mal mehr und mal weniger sichtbar stehen und hängen Skulpturen.

Am Teich entdecken wir weitere Schildkröten und nur ein paar Meter entfernt leben Nandus, ein Emu und Pfauen. Wir kommen zum richtigen Zeitpunkt: Die Nandus haben Küken. Kleine flitzende gefiederte Raptoren, zuckersüß … Die Pfauenküken mit ihren kleinen Krönchen machen auch was her …

Mein botanisches Highlight neben dem Mammutbaum war der Bambushain. An die 50 verschiedene Sorten sind hier zu finden. Ich mag Bambus! Der kleine Bambuswald zeigt, wie vielfältig die Erscheinungsformen des Süßgrases sind.
Nach unserem Rundgang gibt es auf der Terrasse Kaffee, selbst gemachten Kuchen und Gespräche mit der Gastgeberin. Wir reden über den Garten, über Pflanzen und Reisen. Gastfreundschaft pur. Anschließend schauen wir uns die Galerie an. Zu sehen gibt es Bilder von Jens Nagel und Fotografien von Clemens Nagel. Momentan liegt der Fokus der Bilder auf Südamerika, aber es sind auch noch viele andere Motive zu entdecken.

Der Exotik-Kunst-Garten ist bis in den September hinein geöffnet. An den Wochenenden gibt es im Gartencafé Kaffee und Kuchen. Wir haben uns für das nächste Jahr vorgenommen, zur Blütezeit wieder zu kommen.
Mit dem Rundgang und der Kaffeepause verbrachten wir so zwei Stunden im Garten. Wer mehr botanische Kenntnisse hat, oder gerne Fotos schießt, braucht mehr …
Was geht noch in Lychen?
Flößerstadt, sieben Seen in direkter Umgebung und Heimatort des Erfinders der Reißzwecke – in Lychen gibt es schon einiges zu sehen. Wer sich für die Geschichte des Ortes interessiert, kann sie mit dem Lychener Pinnenpfad erwandern. Die Route gilt es sich herunterzuladen, als wir in der Touristeninformation nach einer analogen Karte fragten, wurden wir überrascht angeguckt. Entweder ist der Rundgang so beliebt, dass alle Prospekte vergriffen waren oder es gilt das genaue Gegenteil …

Der Pinnenpfad führt auf 16 Stationen als Rundgang durch die Geschichte der Stadt. An den Stationen befinden sich dann große „Reißzwecken“, die über den jeweiligen Standort berichten.

Ohne ausgewiesene Station aber trotzdem ein Highlight entlang der Route ist die Softeisdiele „Eis-Gramsch“. Hier empfehle ich jedem Eisliebhaber einen Stopp. Die Preise sind fair, die Portionen üppig und jede Woche gibt es neben den klassischen Softeissorten, Softeiseisbecher und Milchshakes eine saisonale Softeissorte …