Auf Entdeckungstour durch Berlin und die Welt
Ziege in der Avakas-Schlucht

Mosaike, Katzen und die Liebesgöttin in Zypern – Rund um Paphos

Unser Ferienhaus in Pomos bot zwar idyllische Bedingungen für einen entspannten, ruhigen Urlaub, allerdings liegt der Ort aus touristischer Sicht ziemlich weit ab vom Schuss. Unsere Ausflüge waren dementsprechend handverlesen, um nicht jeden Tag stundenlang im Auto zu sitzen. Zu meinen persönlichen Highlights in der Region Paphos zählten der Archäologische Park und die Avakas-Schlucht.

Alte Steine und viel Geschichte

Wer so richtig viel Kultur sehen will und es nicht nach Nikosia schafft, besucht am besten Paphos. Die Stadt war vor ein paar Jahren europäische Kulturhauptstadt und hat die Sehenswürdigkeiten entsprechend aufgehübscht. Kulturbanausen lassen sich bequem an die Hafenpromenade oder die Strände abschieben. Zu sehen gibt es am Hafen ein Kastell aus dem 16. Jahrhundert, allerlei alte Kirchen und das kulturelle Highlight der Stadt ist der Archäologische Park. Das Kastell am Hafen ist eine alte Burg, die vom Dach einen tollen Ausblick aufs Meer bietet. Im unteren Bereich ist eine Ausstellung zur heimischen Flora und Fauna. Der Eintritt kostet nur drei Euro. Der Besuch lohnt sich für diejenigen, die auf der Suche nach kitschigen Fotomotiven oder nur einer kleinen Kulturrunde sind.

Mosaik mit dem Motiv Pfau

Der Archäologische Park hingegen ist mehr ein Tagesprojekt. Wer sich für alte Gemäuer, Ruinen und Mosaike begeistert, sollte schon mehrere Stunden einplanen. Wichtig sind Sonnenhut und Wasser, denn der größte Teil des Geländes liegt in der prallen Sonne. Zu sehen gibt es Spuren aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. bis ins Mittelalter hinein. Am beeindruckendsten sind die Größe der Ausgrabungsanlage und die Häuser mit den Mosaiken. Die Detailliebe und der gute Zustand der Mosaike lassen mich Ehrfurcht vor den Handwerkern empfinden. Außerdem ist es unterhaltsam, zu diskutieren, welche Motive dargestellt sind. Wir haben bestimmt zehn Minuten im stillen Haus des Dionysos darüber diskutiert, ob das abgebildete Tier eine Hyäne oder ein Wildschwein sei. Englische Erklärungsschilder sind überall vorhanden, teilweise sogar in Deutsch. Die Ursprünge der Ausgrabungen gehen auf ein einzelnes Mosaik zurück, das ein Bauer entdeckte. Heute ist die Anlage Weltkulturerbe und immer noch in Bearbeitung. Für fünf Euro Eintritt gibt es einen spektakulären Blick auf das Meer dazu.

Mosaik unter freiem Himmel mit einem Labyrinth.

Nur einen Spaziergang vom Haupteingang des Archäologischen Parks entfernt, liegt die Kirche Agia Kyriaki oder auch Panagia Chrysopolitissa. Die Kirche an sich ist nicht spektakulär, aber das Gelände auf dem sie steht. Es ist durchzogen mit kleinen Stegen, die über die Reste früherer Kirchen führen. Das Spannendste für Christen ist wohl ein oller Stein gleich im Eingangsbereich des Geländes. Angeblich handelt es sich hierbei um die Säule, an der Paulus ausgepeitscht wurde, kurz bevor er mal schnell die gesamte Insel christianisiert hat. Die Anlage ist für Fans von alten Steinen zu empfehlen, weil sich entlang der Stege zahlreiche Informationstafeln zu den verschiedenen Baustufen der Kirche befinden. Und natürlich gibts hier wieder einige Mosaike zu sehen. Der Eintritt ist kostenlos und die Stege über den historischen Überresten gestalten den Besuch zu einem netten Spaziergang.

Paulussäule und Blick auf die Stege und das Ausgrabungsgelände.

Auf den Spuren von Aphrodite

Zypern gilt als Insel der Götter. Der höchste Berg ist passenderweise der Olymp. Wir kamen quasi nicht herum, ständig über Sagen der griechischen Mythologie zu stolpern. Eine Göttin, die auf Zypern omnipräsent ist, ist Aphrodite. Hier soll sie dem Meer entstiegen sein und gilt als Nationalgöttin. Der Ort, an dem die Liebesgöttin aus Meeresschaum und den abgetrennten Geschlechtsteilen ihres Vaters entstand, ist Petra tou Romiou: ein Strand mit ein paar Felsen im Wasser. Die Felsen sind Teil einer Sage, bei der die arabische Flotte vom Helden Digenes zerstört wurde, indem er sie auf die Schiffe schleuderte. Die Geologie hat für die Felsen wahrscheinlich eine andere Erklärung. Fest steht aber: Das türkisfarbene Meer und die Brocken, an denen sich die Wellen brechen, machen Eindruck.

Weiße Felsen im türkisblauen Meer: der Petra tou Romiou aus der Ferne.

Neckisch ist der Weg zum Petra tou Romiou: Ein in den Stein gehauener Gang führt unterirdisch zum Strand. Der ist voller Menschen und an jedem Baum und Strauch, der erreichbar ist, hängen Schleifen. Diese Wunschbäume beeindrucken aus der Ferne, aber das Prinzip ist eigentlich verrottbare Materialien wie Papier zu nutzen. Hier siehts eher aus, als hätten sich Mülltüten in den Pflanzen verhangen. Aufgrund der Busladungen voller Touristen fällt es mir eher schwer, den Ort zu genießen. Es ist wahrscheinlich cleverer, morgens oder abends vorbeizuschauen. In der Nähe an der Straße ist ein Aussichtspunkt, der mit Bohlenwegen und Metallrahmen aufgehübscht wurde und nahezu menschenleer ist. Dort sind wir dann dank des kühlen Getränks eines Imbisswagens länger geblieben, um die Aussicht wirken zu lassen. Andererseits gibt es entlang der Küste immer wieder Aussichtspunkte, auch mit aufragenden Steinen, es muss also nicht unbedingt gleich Aphrodites Geburtsort sein.

Aussicht aufs Meer, mit aufgestellten Metallrahmen fürs Fotomotiv.

Da in unserer Gruppe schon jemand die Bäder Aphrodites besucht und sie als kleinen Tümpel beschrieben hatte, sparten wir uns diese Sehenswürdigkeit. Wir gingen einen großen Schritt weiter zurück in die Vergangenheit bis zur Bronzezeit. In Kouklia liegen die Überreste einer der ältesten Aphrodite-Tempel Zyperns. Hier gab es schon vor dem Aphrodite-Kult Tempel zur Verehrung von Ischtar-Astarte und einer Muttergottheit. Letztendlich ist die Anlage ein Feld voller Steine mit Informationstafeln.

Reste von Mauern und Säulen auf einem Gelände voller Steine.

Lohnt sich nur für die, die sich für die Entwicklung und den Aufbau von Tempeln interessieren. In einem Herrenhaus gibt es nicht nur Schatten und Abkühlung, sondern eine kleine Ausstellung mit Funden, die hier und in der Region gemacht wurden. Mein Highlight war der konische, schwarze Stein, der vor Jahrtausenden als Symbol der Muttergottheit verehrt wurde. Respekteinflößend sind das Grab, das mit umlaufenden Intarsien die Geschichte des Verstorbenen und seiner Leistungen erzählt oder eine Badewanne, die mehr als 2000 Jahre alt ist. In manchen Bereichen hatten die Römer und Griechen einfach Stil …

Meterhoher schwarzer konischer Stein auf einem weißen Podest.

Von Ziegen und Katzen

Zypern hat nicht nur Strände und Ausgrabungsstätten. Die anstrengendste und zugleich schönste Entdeckung war die Avakas-Schlucht. Schon die Anfahrt führte unser Mietauto über Stock und Stein. Dann folgte ein Pfad zur Schlucht, an dem ab und an der Avgas entlang plätscherte. In der Schlucht selbst heißt es dann mit Bedacht seinen Weg suchen. Welcher Stein führt zum nächsten oder endet in einer tiefen Pfütze? Wir hatten Badeschuhe dabei und die sind echt empfehlenswert, weil es zwischendurch rutschig wird und es mitunter einfacher ist, durch das Wasser zu waten, als über den nächsten Klotz zu klettern. Die engsten Stellen der Schlucht sind nur vier Meter breit.

Blick auf die sich nähernden Wänden der Avakas-Schlucht.

Ab und an hieß es dann warten, bis die Instagramerin auf dem Felsen ihr Foto geschossen oder ein anderer Wanderer seinen Weg gefunden hatte. Zwischendurch blieben auch wir einfach stehen, um die Felsen und die kruden Formationen zu bewundern. Ein Blick nach oben schadet bei der Tour nicht, denn hier leben Ziegen, die einmal aufgescheucht den einen oder anderen Stein ins Rollen bringen. Für sportbegeisterte Menschen ist die drei Kilometer lange Schlucht ein Klacks. Aber auch Sportmuffeln wie mir hat das Kraxeln und Wege finden, Spaß gemacht. Wichtig ist, sich Trinken und Essen einzupacken und am besten trittfeste Schuhe.

Auf dem Weg zur Schlucht: Steine, Treppen und zu überquerendes Wasser.

Was wäre eine Mittelmeerinsel ohne Katzen? In Zypern streunen sie allerorts herum, mal mehr oder weniger gut genährt. Eigentlich sind die Schnurrbälle nicht heimisch auf der Insel. Sie kamen als Retter vor den Schlangen. Von denen haben wir glücklicherweise gar nichts gesehen. Da die Insel den Katzen wenig Nahrung zu bieten hat, sind sie abhängig von den Menschen. Es gibt einige Organisationen, die sich darum kümmern, die Straßenkatzen zu versorgen und zu sterilisieren. Als Katzenfan war es für mich unabdingbar, eine dieser Organisationen zu besuchen. Wir waren im Cat Park in Agios Neofytos.

Zwei Katzen an einem Wasserbecken.

Hunderte von Katzen bekommen dort Essen, medizinische Versorgung und werden vermittelt. Die kleine Anlage hat fast täglich bis 14 Uhr offen und wer den Katzenschutz in Zypern unterstützen will, sollte unbedingt dort vorbeischauen, liebeshungrige Katzen streicheln und anschließend eine Spende in Form von Geld oder Naturalien dalassen. Zypern hat übrigens Ägypten in Bezug auf die weltweit erste nachgewiesene Domestizierung von Katzen abgelöst. Dass dort Katzen als Haustiere gehalten wurden, lässt sich durch mehr als 9000 Jahre alte Funde belegen.

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