Angeblich hat Berlin mehr Brücken als Venedig und so ist es nicht schwer, auch als Berlinerin immer wieder eine neue zu entdecken. Und dann noch eine goldene!
Diese goldene Brücke befindet sich in Moabit, genauer in der Europacity und überspannt den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal. Überspannen hört sich größer an, als sie ist, denn der Golda-Meir-Steg, so der offizielle Name, ist eine Fußgänger- und Radwegbrücke. Sie ist über 70 Meter lang, vier Meter breit und verbindet Moabit und Mitte.

Warum ausgerechnet diese Brücke an diesem Standort nach Golda Meir benannt ist, konnte ich nicht rausfinden. Dass die Brücke den Namen der ersten israelischen Ministerpräsidentin trägt, soll hingegen die Verbundenheit mit Israel verdeutlichen.
Ebenso wenig gibt es scheinbar eine tiefere Bedeutung hinter der Farbgebung … Aber es muss nicht alles einen Hintergedanken haben. Ein Bauwerk mehr, das nach einer Frau benannt ist, schadet keiner Stadt und ein wenig mehr Farbe sowieso nicht.
So beeindruckend ist die Brücke allerdings nicht, dass sich nur für sie eine Anfahrt lohnt. Die Europacity ist bisher auch noch nicht durch besondere Highlights aufgefallen. Das passiert halt, wenn ein Wohnviertel durchdacht aber trotzdem völlig künstlich hochgezogen wird. Vielleicht entwickelt sich das Viertel in den nächsten 50 Jahren zu einem kulturellen Anziehungspunkt. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass der Wedding kommt …

Allerdings will ich nicht unterschlagen, dass auf der anderen Seite der Brücke der Mauerweg liegt mit dem erhaltenen Wachturm, der sich der Geschichte der Mauertoten und im Besonderen dem Gedenken an Günter Litfin widmet. Ein wenig weiter den Kanal hinab lässt sich der Invalidenfriedhof besuchen.
Typisch Berlin: zu teuer und unpünktlich
So nett der Golda-Meir-Steg auch anzusehen ist, so typisch steht die Brücke für Berliner Verhältnisse: Sie eröffnete weder pünktlich noch zu dem geplanten Budget.
Die tatsächlichen Baukosten übertrafen die geplanten um ein Vielfaches. Die Ausschreibung gewann der Entwurf mit einer Schätzung von fast 3 Millionen. Letztendlich hat die Brücke über neun Millionen gekostet. Aber dafür ist sie hübsch. Diese Explosion der Kosten hat nach der Aussage der Bauherren angeblich was mit der Bauweise zu tun. Dass die aber von vornherein festzustehen hat, ist nur meine laienhafte Überlegung.

Die Muster und Löcher am Geländer der Brücke sind mit Lasertechnik hergestellt worden, was wohl mehr kostete als gedacht. Ebenso völlig überraschend, war der schwierige Baugrund so direkt an einem Kanal, damit kann wirklich kein Architekt rechnen …
Die Kostenexplosion war so beeindruckend, dass die Brücke es sogar 2017 ins Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler schaffte. Ihre ursprüngliche Eröffnung war für 2018 gedacht, eröffnet wurde sie dann 2020. Immerhin nicht BER-Verhältnisse …

Im Dunkeln bietet der Golda-Meir-Steg eine LED-Beleuchtung, die die goldene Farbe betont und die schwarzen Betonstufen an den Brückenenden enthalten wohl Grafit, sodass es funkelt, wenn das Licht auf sie trifft. Wie beeindruckend das aussieht oder ob es nachts einfach nur eine beleuchtete Brücke ist, kann ich noch nicht beurteilen …