Auf Entdeckungstour durch Berlin und die Welt
Die Himmelscheibe von Nebra

Sonne, Mond und Sterne in der Ausstellung „Bewegte Zeiten“

Bis nächste Woche, genauer bis zum 6. Januar, sind im Martin-Gropius-Bau allerhand Knochen und Scherben zu sehen. Die Ausstellung läuft unter dem Motto „Archäologie in Deutschland“ und zeigt, was die Buddler vom Dienst an Überbleibseln der Vergangenheit im Laufe der letzten Jahre ausgruben.

Für den Eintrittspreis von zwölf Euro gibt es die Himmelsscheibe von Nebra und weitere Highlights der deutschen Archäologie zu sehen. Meine persönlichen Höhepunkte der Ausstellung waren neben besagter Himmelsscheibe kleinere Exponate und der Aufbau. Im Gegensatz zur klassischen chronologischen Ordnung gliedern sich die einzelnen Räume nach Themenbereichen wie Mobilität, Austausch, Konflikt oder Innovation. Im Eingangsbereich, dem Lichthof, zeigt sich dank eines riesigen Scherbenhaufens, was für Fitzelarbeit die Archäologie ist. Die einzeln ausgestellten Scherben wären bei mir während der Gartenarbeit alle im Müll gelandet, ohne dass ich deren historischen Wert je entdeckt hätte. Beeindruckend ist die 2000 Jahre alte Hafenmauer, die sich über die eine Wand erstreckt. Im Mobilitätsbereich geht es weiter mit umherziehenden Menschen und Handel. Mein persönliches Highlight war die nachgebildete Straße, die in ihrem Verlauf den Entwicklungen entsprechend ihren Belag ändert. Bei der Darstellung einzelner Themenkomplexe haben sich die Gestalter der Ausstellung kreativ ausgetobt. Im Bereich Warenverkehr ziehen sich an den Wänden beschriftete Holzbretter hoch, die den Eindruck erwecken in einem Lager oder im Inneren eines Frachtschiffes zu sein. Unterhaltsam ist der Abschnitt, der Einblicke in den Bau eines mittelalterlichen Kellers im Lübecker Gründungsviertel gewährt. Dort prangt ein großes Baustellenschild, das moderne Haustechnik wie Kachelöfen oder Doppelsitz-Toiletten anpreist. Nur schade, dass bei diesem Bau- und Förderprojekt des Herzogs Heinrich dem Löwen die Immobilienpreise nicht verraten werden. Wurde im Mittelalter alles unter der Hand geregelt? Im Themenbereich Innovation wartet dann in einem abgedunkelten kleinen Raum die Himmelsscheibe. Seit 2013 ist sie UNESCO-Weltdokumentenerbe. Letztendlich ist sie nur ein bronzener Teller mit ein paar astronomischen Symbolen darauf. Aber sie zeigt mehr über das Denken, den Glauben und das Wissen der Menschen, die vor mehreren Tausend Jahren in Deutschland lebten. Bis November war das Original zu sehen, jetzt befindet sich in der Vitrine eine Kopie. Aber mal ehrlich, den Unterschied werden nur Profis erkennen.

Zwölf Euro Eintritt kostet die Ausstellung. Sie lohnt sich für die, die sich für Archäologie interessieren. Ich habe gelernt, dass Ulfberht-Schwerter im Mittelalter das Ding schlechthin waren, dass goldene Kalenderhüte echt was her machen und Schnurkeramiker, Glockenbecher oder Trichterbecher keine Beleidigungen sind. Allerdings fehlten mir ein Überblick über die Entwicklung der deutschen Archäologie und eine kritische Auseinandersetzung mit manchen Fundgeschichten. Wer weiß schon, dass Zwangsarbeiter auf Grabungen eingesetzt wurden, wenn man sich nicht aktiv damit beschäftigt? Eine weitere Schwachstelle der Ausstellung ist, dass sie sehr optisch ist. Es gibt viel zu sehen und zu lesen. Mein inneres Spielkind kam gar nicht zum Zuge. Für Kinder ist sie meines Erachtens daher nur bedingt zu empfehlen. Wer jetzt Lust bekommen hat, ein kleiner Tipp: Online-Tickets ersparen die Schlangen.

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