Auf Entdeckungstour durch Berlin und die Welt
Blick auf die Rückseite des Schlosses Glienicke aus dem Garten heraus mit gepflegtem Rasen und runden Blumenbeeten.

Spaziergang durch den Schlosspark Glienicke

Am Rande Berlins direkt vor den Toren Potsdams liegt das Schloss Glienicke. Ab April hat es bis auf montags täglich geöffnet. Jederzeit zumindest tagsüber offen und ebenfalls einen Streifzug wert ist der Schlosspark, der mit Brunnen, Figuren und Aussichtspunkten einige Schönheiten bietet.

Die großen Gestalter: Lenné, Schinkel und Prinz Carl von Preußen

Seit dem 18. Jahrhundert stand hier schon ein Gutshaus und die wechselnden Besitzer nutzten das Gelände vor allem landwirtschaftlich. Erst Ende des 18. Jahrhunderts fanden sich Besitzer, die das Areal gartenarchitektonisch gestalten ließen. Mit Karl August Fürst von Hardenberg übernahm Anfang des 19. Jahrhunderts ein Eigentümer, der renommierte Namen bei der Gestaltung mit an Bord holte. Es entstand ein nett hergemachtes Landgut mit einem Park, der auf den Entwürfen des berühmten Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné basierte.

Die Blütezeit des Schlosses Glienicke begann mit dem Prinzen Carl von Preußen, der es ab 1824 besaß. Der Prinz holte sich den damaligen Stararchitekten Schinkel, um die Gebäude und den Garten nach seinen Wünschen zu gestalten.

Schloss Glienicke mit Türmchen und diversen Spolien an der hellen Fassade.

Es entstanden das Casino und die Gartenbauten Große und Kleine Neugierde. Diese Umbauten standen unter dem Eindruck der Italienreise des Prinzen. So hat die gesamte Anlage und die Architektur einen italienischen Einfluss. Mit den Säulengängen des Casinos, den Figuren rund um das Gebäude und dem Blick auf die Havel kommt bei schönem Wetter das Gefühl des Besuchs einer römischen Villa auf.

Blick auf das Casino mit Säulengang. Im Hintergrund ist die Havel erkennbar und im Vordergrund ein rundes Blumenbeet.

Abgesehen von seinem Faible für Italien schleppte der Prinz allerlei Artefakte und Ausgrabungsstücke auf das Gelände. Er war bekannt für seine Sammlung von antiken Kunstwerken und historischen Waffen. Nach dem Tod des Prinzen verlor das Areal rund um das Schloss und den Park an Bedeutung und es folgten zahlreiche Besitzer.

Seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts ist das Schloss ein Museum unter der Verwaltung der Stiftung preußische Schlösser und Gärten und Teil des Weltkulturerbes der UNESCO.

Im Schloss selbst lassen sich heute einige herrschaftliche Räume besichtigen mit passenden Gemälden und Mobiliar.

Der Schlosspark und die Gebäude als Gesamtkunstwerk

Der Schlosspark Glienicke ist als Gesamtkunstwerk angelegt, auch wenn die einzelnen Bauten durchaus für sich Highlights sind. Was überall zu finden ist: Fragmente von antiken Gebäuden und Skulpturen. Mein wissenschaftliches Herz mit einer Vorliebe für Herkunftsgeschichte weinte ein wenig, als ich die Fassaden des Schlosses oder der Kleinen Neugierde sah, die mit allerlei Fragmenten geschmückt sind.

Für einen ersten pompösen Eindruck sorgt schon das Eingangstor, das nach Plänen Schinkels entstand. Es trägt den Namen Johanniterportal, da die Kreuze des Johanniterordens, dem der Prinz angehörte, unübersehbar sind. Die goldene Greife gehen auf Entwürfe des Bildhauers August Kiß zurück, der auch die Skulptur des Heiligen Georgs im Nikolaiviertel schuf.

Goldener Greif auf einem Mauersockel.

Hinter dem Eingangstor neben dem Torhaus wartet ein Übersichtsplan: Leider ist kein richtiger Rundgang ausgezeichnet. Hinzu kommt, dass manche Wege im Landschaftspark gesperrt sind. Das liegt nicht nur an der Gefahr herabstürzender Äste oder umkippender Bäume. Da manche Wege schon mehrere Jahre gesperrt sind, haben sich Pflanzen und Tiere den Raum zurückerobert, sodass ein bedeutender Naturraum entstand, den es nicht zu stören gilt.

Schade nur, dass dadurch das ursprüngliche Ensemble des Gartendenkmals von landschaftlichem, natürlichen Park und gartenarchitektonisch durchdachtem Pleasureground zerstört wird. Was ich als Besucher besonders schade finde, ist, dass es keine Erläuterungen gibt, warum die Wege gesperrt sind oder vorab überhaupt Hinweise, dass ich in eine Sackgasse laufe …

Das Schloss und ein gestutzter Landschaftsgarten

Der Weg führt weiter zum Schloss, wobei mit „Schloss“ die Dimensionen eines größeren Gutshauses gemeint sind. An der Fassade zeigt sich die Begeisterung des Prinzen für das Sammeln. Dort sind historische Funde als Schmuckstücke angebracht. Das Fachwort für die wiederverwendeten Überreste ist Spolien.

Spolien an der Fassade des Schlosses Glienicke.

Reste von Bauwerken in neue Bauten zu integrieren, hat eine lange Tradition. Dabei war es nicht immer nur eine dekorative Spielerei oder ein Trend, sondern teilweise Ehrerbietung gegenüber vergangener Epochen oder Kulturen. Da der Prinz von der italienischen Kultur begeistert war, übernahm er diesen Trend der Spolien bei seinen Architekturwünschen.

Auf der einen Seite des Schlosses wartet jetzt der Park als Landschaftsgarten in einer natürlicheren Gestaltung. Uns führt ein Pfad zum Maschinenhaus und ab da an geht es nicht mehr weiter. Im Maschinenhaus war das Pumpwerk für den Brunnen untergebracht. Aber auf diesem Gelände ist kein Gebäude einfach nur in schnöder funktionaler Architektur gebaut worden. Auch das Maschinenhaus greift den italienischen Stil auf.

Auf der anderen Seite eröffnet sich der Pleasureground. Der gesamte Schlosspark Glienicke war sorgfältig durchdacht mit Sichtachsen und künstlichen Anhöhen. Die Blumenbeete gehen teilweise auf den bekannten Gartenarchitekten Fürst von Pückler-Muskau zurück.

Düsterer Klosterhof und italienisches Casino

Im Vergleich zu den anderen Gebäuden mit hellem Putz und allerlei lebensbejahenden Verzierungen fällt der Klosterhof aus dem Rahmen. Er liegt hinter dem Schloss auf dem Weg zum Casino. Geradezu düster ist es hier.

Besucher kommen nur in den Vorhof, der Hof und der Kreuzgang sind abgesperrt, aber die dortigen Figuren und Mosaike lassen sich durch eine Gittertür betrachten. Die kleine Anlage verströmt mittelalterlichen Charme.

Blick in den Innenhof des Klosterhofes: ein Kreuzgang ist zu erkennen, Mosaike und eine Grabplatte.

Auch hier wurde beim Bau tief in die Restekiste gegriffen: Der Klosterhof besteht aus Bauteilen eines mittelalterlichen Klosters aus dem 12. Jahrhundert bei Venedig, das abgerissen wurde.

Aber auch aus anderen Gegenden wurden allerlei Kunstwerke hergeschafft und in den Klosterhof integriert: Der Brunnen im Hof kommt aus Byzanz, eine Sarkophagplatte aus Padua und einige Figuren aus Pisa …

Eine zerstörte Figur an einer Wand und eine Tafel mit Inschriften.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Klosterhof stark durch eine Granate zerstört und manch ein Kunstwerk verschwand in privaten Händen …

Das Casino beeindruckt nach dem Klosterhof vor allem mit dem italienischen Flair: Der Säulengang, die steinernen Bänke und die Figuren, selbst die Fensterläden erinnern an eine italienische Villa und dann der Blick auf die Havel.

Front des Casinos mit Säulen, Wandmalerei und Steinbänken vor  einer sandgelben Fassade und blauen Fensterläden.

Die Große und die Kleine Neugierde

Nach dem Casino folgt auf einem kurzen Spaziergang entlang von eingefassten Blumenbeeten und gepflegten Rasen die Große Neugierde. Der Name kommt vom Ausblick auf die Umgebung und das runde Gebäude diente als Teepavillon. Auch wenn die Große Neugierde mittlerweile nicht mehr am ursprünglichen Standort steht, bietet sie weiterhin einen schönen Ausblick auf die Glienicker Brücke und die Havel.

Säulen und vergoldete Balustrade der Großen Neugierde und im Hintergrund die Glienicker Brücke und die Havel.

Bei dem Entwurf für diesen runden Pavillon bediente sich Schinkel an antiken Vorbildern wie dem Lysikrates-Denkmal in Athen, das als Musterbeispiel für klassizistische Pavillonbauten gilt.

Fassade der Kleinen Neugierde mit Spolien.

Die Kleine Neugierde etwas weiter vorn in Richtung des Schlosses wartet wieder mit antiken Fragmenten an der Fassade auf. Das Gebäude selbst stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist damit älter als die Große Neugierde. Unter Schinkel erfolgte dann eine klassizistische Umgestaltung des vorher einfachen Gartenhauses. Der Fußboden soll mit Mosaiken aus Karthago ausgelegt sein. Die ursprünglichen Wandmalereien verschwinden im Laufe des Zweiten Weltkrieges durch Zerstörungen und Plünderungen.

Der Löwenbrunnen und das Stibadium

Ein weiteres pompöses Bauwerk ist der Löwenbrunnen, der sich auf der Hinterseite des Schlosses befindet. Bei den Entwürfen für den Brunnen hat sich Schinkel von der Villa Medici in Rom inspirieren lassen. Er ist nicht mehr im Original erhalten, wurde aber 2010 restauriert. Beeindruckender als der Brunnen ist für mich die Linde daneben. Sie ist schätzungsweise tausend Jahre alt.

Ein weiteres Highlight war das Stibadium. Ich mit meinem dürftigen Wissen über Architektur hätte es eine überdachte Sitzgelegenheit genannt, aber die korrekte Bezeichnung dieser in einem Halbkreis aufgestellten, mit einem Dach geschützten steinernen Bänke ist Stibadium. Schinkels Schüler Ludwig Persius entwarf es und orientierte sich an antike Vorlagen.

Blick auf den Löwenbrunnen mit zwei goldenen Löwen und auf die alte Linde.

Vor dem Zweiten Weltkrieg machten diese pompösen überdachten Gartenbänke mit allerlei Schmuckvasen und Statuetten noch mehr her. Aber auch ohne die verlorengegangene Dekoration lässt es sich hier mit einem Tee und dem Blick auf den Brunnen und die uralte Linde gut aushalten.

Blick auf das Stibadium mit einer Wasserschale und einer Skulptur vor der überdachten Sitzgelegenheit.

Direkt neben dem Stibadium führen Treppen hoch zum Schloss, sodass sich zumindest im Bereich des Pleasuregrounds ein Rundgang vom Schloss zum Klosterhof zum Casino und zu den Neugierden machen lässt.

Das Areal bietet viele sehenswerte Details, lässt sich aber entspannt innerhalb einer Stunde durchqueren. Wer noch Puste hat, wandert weiter zum von hier aus sichtbaren Schloss Babelsberg und bekommt zur Belohnung einen Blick von weitem auf den Schlosspark und das Potsdamer Land.

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