Auf Entdeckungstour durch Berlin und die Welt
Lissabon auf einen Blick

Kirschschnaps und Entdecker in Lissabon

Der Beitrag ist eine überarbeitete und aktualisierte Version eines Blogartikels von 2017.

Um einen ersten Eindruck von Lissabon zu bekommen, reicht ein Wochenende aus, aber die Stadt bietet vieles, was einen erneuten Besuch lohnt. Als Berliner ist es ungewohnt, sich per Fuß durch die hügelige und mit engen Gassen durchzogene Stadt zu bewegen. Eines meiner persönlichen Highlights war daher die Tuk-Tuk-Tour, auf der uns der Fahrer die Sehenswürdigkeiten Lissabons zeigte. Den besten Ausblick hatten wir vom Castelo de Sao Jorge und dem am fast entgegengesetzten Ende der Stadt liegenden Parque Eduardo. Das Castelo de Sao Jorge ist eine Burg aus dem 11. Jahrhundert. Wer will, informiert sich in einzelnen Räumen zu der Geschichte der Anlage. Das Tolle an der Burg sind aber die begehbaren Mauern und Innenhöfe. Hier raufklettern, da den Kopf einziehen und sich hinter einem Vorsprung verstecken, macht halt mehr Spaß als Informationstafeln lesen. Die Burg liegt im und über dem Stadtteil Alfama, dem ältesten Viertel von Lissabon. In Alfama ist es eng, verwinkelt und es geht hoch und runter auf zahlreichen Treppen. Hier liegt auch das Fadomuseum. Der Parque Eduardo befindet sich dagegen in einem neueren, modernen Viertel und bildet so einen sehenswerten Kontrast zu den alten Gassen und Gebäuden. Selbst im Untergrund im Bahnhof Oriente erfreut sich das Auge an reizvollen Aussichten: Zwar ist an so ziemlich jedem Gebäude in Lissabon Kachelkunst zu finden, aber auf dem Bahnhof haben anlässlich der Weltausstellung 1998 viele Künstler einzelne Wände gestaltet. Grund genug, mal mit der U-Bahn zu fahren.

Kachelkunst im Bahnhof Oriente


Fisch und Ginjinha

Typisches Essen in Lissabon ist Fisch, vor allem der Stockfisch, in Portugiesisch bacalhau. Als Vegetarier haut mich toter Fisch oder eine aus unterschiedlichen Fleischsorten bestehende Wurst (Alheira de Mirandela) mit Pommes und Spiegelei nicht vom Hocker. Aber viele Restaurants haben sich auf Vegetarier und Veganer eingestellt. Eine leckere Auswahl an typisch Lissabonner Gerichten wurde uns im am Fado-Museum angeschlossenen Restaurant geboten.

Bohnen in Teigmantel mit Zitrone

Dazu gab es Fadogesänge gratis. Fado steht sogar auf der Liste des immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO. Eine Fadovorführung gehört zum Pflichtprogramm in Lissabon. Die Lieder sind wahrlich keine Guten-Laune-Songs, aber ein echter Fado-Sänger oder Sängerin bringt den Herzschmerz und die Melancholie mit der Stimme rüber, ohne Portugiesischkenntnisse vorauszusetzen. Das hat Ambiente.

Gedenkstein an einen Fadosänger mit stilisierter Gitarre

In den wenigen Tagen habe ich festgestellt, dass es sich nicht lohnt, Pommes in Lissabon zu essen – keine Ahnung, woran es liegt, aber die Pommes waren immer halbroh und wurden mit merkwürdigen Soßenkombinationen serviert. Eine weitere Eigenart, die mir persönlich nicht unbedingt zugesagt hat, ist der Koriander: Überall war Koriander drin, abgesehen von den Desserts. Apropos Dessert: Pflichtprogramm in Lissabon sind die Pasteis. Das sind Puddingtörtchen. Zum Abschluss gibt es einen Ginjinha. Diesen Kirschlikör gibt es an jeder Straßenecke und schmeckt immer wieder anders.


Erdbeben und Nelkenrevolution

Das große Erdbeben von Lissabon 1755 hinterließ in der Stadt eine gigantische Zerstörung. Das Erdbeben und ein anschließender Großbrand und Tsunami zerstörten mehr als die Hälfte der Gebäude. Davon ist heute nichts mehr zu sehen. Aber ein Mahnmal dieser Naturkatastrophe, bei der Zehntausende Menschen starben, ist das Convento do Carmo. Das ehemalige Karmeliter-Kloster wurde beim Erdbeben zerstört und nur ein Flügel wurde wieder aufgebaut. Das Kirchenschiff blieb ohne Dach und beherbergt heute eine archäologische Ausstellung. Aber nicht nur die Ruine ist sehenswert, sondern auch der Platz davor. Denn auf dem Largo do Carmo endete die Nelkenrevolution friedlich. Lange Zeit war Portugal eine Diktatur und erst 1974 endete diese durch ebendiese Revolution. Der Begriff Nelkenrevolution kommt daher, weil Frauen den rebellierenden Soldaten Nelken in die Gewehre steckten. Der wieder aufgebaute Flügel des Klosters war das Hauptquartier der portugiesischen Nationalgarde, in das sich der damalige Ministerpräsident Marcelo Caetano vor der Revolution flüchtete. Vom Balkon dieses Gebäudes aus erklärte er seinen Rücktritt und der Weg war offen für ein freies Portugal. Der Platz und die Klosterruine liegen idyllisch etwas abseits der Touristenmassen und eignen sich für eine kleine Kaffeepause, um dieses historische Ambiente wirken zu lassen.

Karmeliter-Kloster mit zerstörtem Dach


Die großen Entdecker

Was wäre Portugal ohne die Seefahrt? In Lissabon sind die unterschiedlichsten kulturellen Einflüsse in jedem Straßenzug zu erkennen. Als Tourist gehört die Würdigung der portugiesischen Entdecker in Form eines Besuches des Entdeckerdenkmals dazu. Das Padrao dos Descobrimentos ist über 50 Meter hoch und der Kalkstein blendet schon von Weitem. An den Seiten dieses, ich nenne es mal Turm, sind 16 wichtige Persönlichkeiten für die Seefahrt stilisiert und oben auf der Plattform gibt es eine perfekte Sicht auf das Hieronymuskloster. Die Architektur dieses Klosters ist ein Paradebeispiel für den manuelistischen Stil: verschnörkelt, detailreich und oft mit nautischen Motiven. Von oben lässt sich auch erst richtig die Windrose auf dem Platz vor dem Denkmal erkennen. Wer noch Lust hat, sollte nach dem Aufstieg (es gibt auch einen Fahrstuhl) ins Kloster gehen, und das Grabmal Vasco da Gamas einen Besuch abstatten.

Entdecker-Denkmal von der Seite


Und sonst so?

Was ich auf jeden Fall empfehle, ist ein Tagesausflug nach Sintra. Dieses Örtchen hat die Anerkennung als Naturerbe und Kulturerbe der UNESCO eindeutig verdient. Lauter verträumte Schlösser und Burgen und ein märchenhafter Park. In der Parkanlage Quinta da Regaleira gibt es Türmchen und Grotten und ganz viel Grün.

Parkanlage mit Schlösschen


Lissabon wird überflutet von Touristen. Auf knapp einer halben Million Einwohner kommen sechs Millionen Touristen. Ein Vorteil für die Wirtschaft und ein Nachteil für die echten Lissabonner, die sich kaum mehr ihre Wohnungen leisten können. Kommt einem als Berliner bekannt vor, nur dass es in Lissabon kaum einen Schutz der ursprünglichen Mieter vor Airbnb und anderen ähnlichen Plattformen gibt. Wer es sich leisten kann, sollte ein Hotel zur Übernachtung buchen oder auf Couchsurfing zurückgreifen.

Stein mit der Inschrift "Massive Tourism are Terrorism"

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