Auf Entdeckungstour durch Berlin und die Welt
Eingangsbereich Tränenpalast

Zu Besuch im Tränenpalast

Wenige Orte in Berlin erinnern noch authentisch an die Mauer. Dass Berlin geteilt war und diese Teilung friedlich überwunden wurde, gehört zu den spannendsten Fakten der Stadtgeschichte. Ein gutes Museum packt den Besucher bei seinen Emotionen, so lässt sich Wissen leichter vermitteln. Gegen diese Theorie habe ich grundsätzlich nichts. Aber wer am Checkpoint Charlie oder an der East Side Gallery entlanggeht, sieht, zu welchen Auswüchsen das führt. Der Tränenpalast bietet eine Alternative zu den Touristenmagneten. Fakten und allerlei mediale Aufarbeitung lockern den Museumsbesuch auf.

Blick auf den Tisch einer Kontrollkabine auf dem sich ein aufgeschlagener Pass und Stempel befinden.

Der Tränenpalast liegt direkt am Bahnhof Friedrichstraße, eingezwängt zwischen dem Bahnhof und modernen Bürogebäuden. Die am Gebäude befindlichen Pfeile führen den Unwissenden zum Eingang. Dort warten überraschend motivierte Mitarbeiter darauf, dass Prozedere zu erklären. Der Eintritt ist frei, es gibt Audioguides und eine kostenfreie Garderobe. Wer einen Rucksack hat, kann diesen gegen einen Pfand einschließen. Im Winter ist das Ablegen der Jacken aus meiner Sicht eindeutig ratsam, denn da drinnen ist gut geheizt. Das Wichtigste, das uns der Mitarbeiter eingangs erklärt, ist der Aufbau der Ausstellung – schließlich wollen wir nicht mit dem Mauerfall anfangen. Auf dem ersten Blick erscheint die Ausstellung überschaubar. Tatsächlich haben wir fast zwei Stunden damit zugebracht, Interviews zu hören, Berichte zu lesen, Videos zu sehen oder die Diskussionen der anderen Besucher auszuwerten.


Die Herkunft des Namens „Tränenpalast“ rührt aus der Funktion des Gebäudes: Es war eine ehemalige Abfertigungshalle und Ausreisehalle für den Grenzübergang zwischen Ost- und Westberlin. Hier trennten sich Familien, hier scheiterten Ausreisewünsche … Seit den 90er Jahren steht das Gebäude unter Denkmalschutz und seit 2011 existiert hier die Ausstellung zum Alltag der deutschen Teilung. Schritt für Schritt führen die Stationen den Besucher durch die Geschichte der Mauer. Wie kam es zu ihrem Bau, wie versuchten Menschen, die DDR zu verlassen und wie lief das „normale“ Geschehen in der Halle ab? Höhepunkt ist der Mauerfall. Die Ausstellung lohnt sich vor allem für diejenigen, die keinerlei Vorstellung davon haben, welche Auswirkungen die Mauer auf das direkte Leben in Berlin hatte. Manchmal bleibt sie bei den wesentlichen Fakten eher oberflächlich. Aber, selbst wer in der Materie schon umfangreiches Wissen angehäuft hat, sollte diese Ausstellung mitnehmen. Denn hinsichtlich des direkten Grenzübergangs und individueller Berichte lässt sich einiges erfahren, das bei allgemeinen Darstellung oft wegfällt. Meine persönlichen Highlights waren die Passkontrollkabine, die Berichte zum Thema Schmuggel und das Interview eines Grenzers, der seine Arbeit beschreibt. Interessant war die Perspektive von BRD-Schülern, die die DDR besuchten. Was meinem auf Abwechslung geeichten Geist besonders gefallen hat, ist die Mischung aus Sehen, Lesen, Hören und Anfassen. So gestaltet sich die Ausstellung nicht zu trocken oder langweilig.

Koffer mit Kindersachen und einer Kurzbiografie zu dem Besitzer dieser.

Am kommenden Samstag zum Höhepunkt der Feierlichkeiten anlässlich des 30-jährigen Mauerfalls finden am Tränenpalast öffentliche Führungen statt. Sie sind in Deutsch, Englisch und Gebärdensprache und beleuchten den Mauerfall am Bahnhof Friedrichstraße. Zusätzlich steht vor dem Tränenpalast das ZeitzeugenMobil, in dem alle Interessierten ihre Erinnerungen an den Mauerfall hinterlassen können.

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