Auf Entdeckungstour durch Berlin und die Welt
Bronzefiguren von Karl Marx und Friedrich Engels.

Relikt aus DDR-Zeiten – das Marx-Engels-Forum

Ursprünglich stand das Denkmal für Marx und Engels näher am Roten Rathaus auf einem dafür gemachten Platz. Wegen Bauarbeiten für die U-Bahn-Linie zum Brandenburger Tor wurde es an seinen jetzigen Standort verlagert. Eigentlich wirkt das Marx-Engels-Forum wie eine einzige große U-Bahn-Baustelle. Vor dem Baustellenzaun befinden sich die Skulpturen von Marx und Engels umgeben von einer Reliefwand, Bronzereliefs und Stahlstelen. Das lässt sich von der Straße nicht sehen. Zumindest nicht, solange die Bäume Blätter tragen. Marx und Engels stehen im Zentrum dieses Ensembles an Kunstobjekten. Die Anordnung und die zentrale Figur der Väter des Kommunismus gehen auf den Bildhauer Ludwig Engelhardt zurück.

Blick auf die Marx-Engels-Figuren. Marx sitzend, Engels stehend, umgeben von Metallstelen und Steinreliefs.

Selbst die Materialien der anderen Objekte haben Symbolkraft. Die steinerne Reliefwand vom Künstler Werner Stötzer steht für die Vergangenheit und das Bronzerelief von Margret Midell für die Zukunft. Die Stahlstelen verknüpfen als Dokumentation mit Fotos Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die Stelen mit den Fotos galten zur Bauzeit in den 80er Jahren als Neuheit. Für mich waren die Reliefs so künstlerisch, dass ich ehrlich gesagt die Botschaft nicht erkennen konnte. Irgendwelche Menschen halt. Die Fotos auf den Stelen sind ausgeblichen. Aber Marx und Engels erfreuen sich großer Popularität. Die Figuren, vor allem Marx Knie sind blank geputzt von den vielen auf ihm Sitzenden. Das Denkmal gehört zu den Talking Statues in Berlin. Das bedeutet, wer einen QR-Code einscannt, erhält einen Anruf, in dem die Geschichte hinter den Skulpturen erzählt wird. Die von Marx und Engels erklärt passenderweise Gregor Gysi.

Steinskulpturen mit Menschen in Bewegung.

In Berlin ist der Umgang mit den Spuren der DDR immer eine Diskussion wert. Verklären diese Figuren und sozialistischen Hinterlassenschaften die DDR, die eindeutig ein Unrechtsstaat war? Für mich stehen Marx und Engels nicht für die DDR, sondern sind Philosophen und Ökonomen. Über ihre Ansichten lässt sich vorzüglich streiten. Wer jegliche Spuren der DDR aus dem Stadtraum verbannt, verbessert meiner Meinung nach nicht zugleich den Umgang mit der Geschichte. Momentan steht ein Vorschlag im Raum, dass das Marx-Engels-Forum an die Humboldt-Universität kommt. Umzüge ist die Figur schon gewohnt, warum also nicht, wenn die Kritiker zufriedengestellt sind …

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