Auf Entdeckungstour durch Berlin und die Welt

Wer war’s? Ein Berliner namens Litfaß

Mehr als 2000 Litfaßsäulen standen mal in Berlin. Nach dem Wechsel der Betreiberfirma sind sie seit letztem Jahr Stück für Stück abmontiert worden. Mittlerweile gibt es nur noch 24 Litfaßsäulen, die unter Denkmalschutz stehen und bewahrt werden. Die älteste davon, die seit 1900 existiert, steht am Hackeschen Markt. Was an so einer ollen Säule so wichtig ist? Zunächst gehören die Säulen irgendwie zum Stadtbild. Aber bedeutsamer noch, hatten sie lange Zeit eine informierende Funktion. Abgesehen von Werbung landeten Bekanntmachungen auf den Säulen. Vor allem in Nachkriegszeiten waren sie zentrale Informationsstellen.

Bronzene Litfaßsäule mit dem Gesicht von Litfaß.

Ernst Litfaß als Werbeikone

Zugegeben, Ernst Litfaß war nicht der Erfinder der Säulenwerbung. Er hat sich das Prinzip von den Londonern und Parisern abgeguckt. Aber als er Mitte des 19. Jahrhunderts in Berlin seine Annonciersäulen aufstellen ließ, waren diese einzigartig in Deutschland. Mittlerweile sind sie in vielen deutschen Städten zu finden. Kurios ist die Tatsache, dass die Berliner Litfaßsäulen dünner als ihre anderen deutschen Ableger waren. Ursprünglich wollte Litfaß Schauspieler werden, arbeitete dann als Herausgeber und Verleger. Was ihn aber unvergessen machte, sind seine Werbesäulen, die im Laufe der Zeit als Litfaßsäulen bekannt wurden. Sie dienten der Werbung ebenso wie der Verbreitung von Ankündigungen. In Zeiten, in denen nicht jeder lesen konnte, waren sie Anlaufpunkt für die Menschen, um Informationen auszutauschen. Neben den Litfaßsäulen gehörte er zu den ersten, die in Deutschland Riesenplakate druckte. Sein Einfluss und seine Weiterentwicklung der Werbung brachten ihm den Namen König der Reklame ein.

Darstellung einer Druckerpresse auf der Litfaß-Säule in der Münzstraße.

In Gedenken an Litfaß

An sein Schaffen und an die erste Litfaßsäule in Berlin erinnert eine bronzene Litfaßsäule in der Münzstraße. Der Kopf und der Sockel der Säule sind den historischen Litfaßsäulen nachempfunden und Texte und Bilder der Bildhauerin Felicitas Franck geben Einblicke in das Leben und Wirken von Litfaß. Wer mal in der Nähe ist, kann ja einen Blick auf die Anfänge von groß angelegter Werbung werfen. Leider ist die Säule schon in die Jahre gekommen, sodass nicht alle Bilder und Texte mehr einwandfrei zu lesen sind. Dieser heruntergekommene Charme passt zwar nicht zu dem ursprünglichen Zweck der tagesaktuellen Annonciersäulen, aber hervorragend zu Berlin … Zu Ehren Litfaß gibt es am Hackeschen Markt zudem einen nach ihm benannten Platz. Auf dem steht ebenfalls eine – weitaus imposantere und gepflegtere – Säule, die Ernst Litfaß gewidmet ist.

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