Auf Entdeckungstour durch Berlin und die Welt

Ein Denkmal für Denkmäler

Manchmal sehe ich vor lauter Skulpturen das Denkmal nicht. Bestes Beispiel ist eine Kunstinstallation an der Ecke Linienstraße und Weydinger Straße. Dort stehen Figuren vereint unter dem kurzweiligen Titel „Monument for Historical Change – Fragments from the Basement of History“.

Skulptur von Friedrich Wilhelm I. als Teil des Monument for Historical Change

Das Kunstwerk des Künstlerduos Clegg & Guttmann entstand im Auftrag des Kunstvereins am Rosa-Luxemburg-Platz in den 2000er Jahren. Der Verein initiiert regelmäßig verschiedene Kunst- und Kulturprojekte. Auf dem ersten Blick gibt es einen Podest, eine Tafel und eine Skulptur, umrahmt von einem Bauzaun zu sehen. Der Metallzaun entpuppt sich beim Nähertreten als andere Form für die Unterbringung einer Informationstafel. Die am Gitter angebrachte Folie weist auf das Denkmal hin. Was oberflächlich wie eine aufgegebene Baustelle wirkt, ist so gedacht. Jedes einzelne Fragment dieses Monuments stellt den Betrachter vor die Aufgabe, sich mit den Originalen zu beschäftigen. Denn nur so lassen sich die Aussparungen oder Veränderungen wahrnehmen.

Gedenkplatte für die deutschen Interbrigadisten als Teil des Monuments for Historical Change

Neben den Stufen des Podests befindet sich eine Platte, die an Spanienkämpfer erinnert. Auf dem Absatz ist ein Hinweis auf Gerhard Marcks Rufer-Skulptur, ohne die bekannte Bronzefigur zu zeigen. Der Rufer steht auf der Straße des 17. Junis. Auf dem Podest gibt es eine Figur von Friedrich Wilhelm I. Das Monument entwickelt sich beim näheren Hinsehen zu einer bunten Mischung aus Verweisen auf Künstler und Denkmäler, die woanders stehen. Denn an die Spanienkämpfer erinnert ein großes Relief im Volkspark Friedrichshain. Das Standbild Friedrich Wilhelms, der als Soldatenkönig bekannt ist, stand vor dem heute nicht mehr existierenden Schloss Monbijou. Zwei weitere Erinnerungsorte sind in dieser Kunst-Collage verarbeitet: Ludwig Hoffmanns Delphinbrunnen und Jürgen Raues Denkmal für die Herbert-Baum-Gruppe, das im Original im Lustgarten steht. Das Denkmal von Raue entstand in den 80er Jahren und ist nach dem Fall der Mauer verändert worden: Anmerkungen zur deutschen Freundschaft und Verbundenheit mit der Sowjetunion wurden als nicht mehr zeitgemäß überdeckt.

Nachbildung des Denkmals für die Baum-Gruppe am Monument for Historical Change

Letztendlich entscheidet der Betrachter: Kritisiert das Monument den Umgang mit Denkmälern oder Denkmäler? Welche Bedeutung hat es, dass die Rufer-Skulptur fehlt und die Anspielung darauf durch das Podest vorhanden ist? Verschiedene Epochen und Denkmäler in einer Collage zu würdigen und unterschiedliche Stile zu vereinen, gefällt mir. Das Monument ist reizvoll. Es fordert dazu auf, sich mit Denkmälern und der Darstellung von Geschichte durch diese auseinanderzusetzen.

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