Auf Entdeckungstour durch Berlin und die Welt
Orangefarbene Bücherzelle

Von Bücherwäldern und Buchzellen in Berlin

Wohin mit den alten Büchern, wenn das Regal aus allen Angeln platzt? Bibliotheken nehmen nur Bücher neueren Datums und die sagenumwobenen Onlinehändler, die jedes Buch kaufen, bieten nur Cent-Beträge. Da ich mir aber sicher bin, dass der eine oder andere Roman durchaus noch Liebhaber finden könnte, habe ich mich aufgemacht, um im Bücherwald, einer Bücherzelle und beim Berliner Büchertisch meinen gelesenen, aber nicht geliebten Büchern einen neuen Besitzer zu verschaffen.

Der Bücherwald im Prenzlauer Berg

In der Sredzkistraße steht der Bücherwald. Die offizielle Bezeichnung führt bei der Suche in die Irre. Direkt neben dem Café Anna Blume stehen vielmehr Baumstämme. In diese sind Fächer eingelassen, in die dann jeder seine gebrauchten Bücher anderen Lesern zu Verfügung stellen kann. Das Projekt geht auf den Verein Baufachfrau Berlin zurück. Der Verein verarbeitete Bäume aus dem Grunewald, quasi vom Baum zu Buch soll so die Wertschöpfungskette Wald, Holz und Buch verdeutlicht werden. Allerdings ist der Bücherwald nicht nur den Elementen, sondern auch manch gelangweilten Menschen ausgesetzt. Dementsprechend sieht der Bücherwald, der seit 2008 steht, auch aus: Teilweise sind die Plastikklappen von den Fächern gerissen und die Stämme von Graffiti übersäet. Vielleicht habe ich einen schlechten Tag erwischt, denn die Fächer sind zudem leergefegt. Mehr Platz für meine Unterhaltungsliteratur, aber kein neues Lesefutter…

Holzstamm mit Fächern.

Die Büchertelefonzellen in Mitte

Einen gepflegten Eindruck macht dagegen die Bücherzelle an der Gertraudenstraße. Orange-grün angemalt ist sie nicht so leicht zu verfehlen. Hier muss ich sogar anstehen! Während ich warte, kommen drei Personen mit Schubkarren und drängeln sich vor. Das ist mein Glück, denn sie füllen den Bestand offiziell auf und geben mir sogar eine Leseempfehlung. Die Zelle ist vor allem dazu gedacht, sich Bücher zu holen – ohne Gebühr, einfach Bücher für alle. Die Pflege und Bestückung übernehmen die Vereine Berliner Büchertisch und reha e.V. Wie im Bücherwald ist die Zelle rund um die Uhr frei zugänglich. Das Angebot ist bunt von Schnulzenliteratur, Sachbüchern bis hin zum Kinderbuch. Schnell mogele ich meine eigenen Bücher unter, die aber gar nicht auffallen. Hier finde ich neues Lesefutter

Grüne Kinder-Bücherzelle.

Für Eltern interessant sind die Kinder-Bücherboxen, die sich vor vielen FRÖBEL-Kindergärten befinden. Hier gilt das gleiche Prinzip wie bei anderen Bücherboxen: Bedienen darf sich jeder und wer gut erhaltene Bücher übrig hat, kann sie hier einstellen. Das Projekt ist deutschlandweit zu finden. Die Kinder-Bücherbox in der Mollstraße wirkt gepflegt mit Bilderbüchern bis hin zu Lesebüchern. Aber da ich nicht die Zielgruppe bin, erlaube ich mir kein Urteil über die Auswahl.

Einen Karton voller Bücher loswerden

Für die großen Mengen an ungeliebten Büchern reichen Bücherzellen und Bücherwald nicht. Aber der Berliner Büchertisch nimmt in Kreuzberg in der Richardstraße Spenden an. Vorausgesetzt die Bücher sind gut erhalten und nicht zu alt. Mit diesen Bücherspenden unterstützt der Verein Bibliotheken in Schulen, Jugendhäusern, Flüchtlingsheimen oder Gefängnissen. Teilweise werden sie auch vergünstigt verkauft und mit den Einnahmen Projekte zur Leseförderung unterstützt. So bekommen meine Bücher noch einen Sinn und ich habe endlich ein wenig Platz im Bücherregal…

Eine Bitte an all jene, die ihre Bücher nicht in die Tonne werfen wollen: Vor allem im Bücherwald habe ich teilweise sehr zerfledderte Bücher gesehen und in Bücherzellen Duden von anno dazumal. Mal ehrlich, wer soll das lesen? Manche Bände eignen sich nicht mehr zum Teilen und es wäre schade, damit Bücherzellen zu verstopfen.

Bunt bemalte Bücherzelle in Kaulsdorf.

Und eine Frage an die Berliner, kennt ihr noch weitere Bücherzellen oder Boxen, die ich mir unbedingt mal anschauen müsste, wenn ich auf der Suche nach neuer Literatur bin?

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