Auf Entdeckungstour durch Berlin und die Welt
Mit Pflanzenranken überwucherter Grabstein.

Spaziergang auf dem Waldfriedhof Zehlendorf

Mein erster Tipp für den Besuch des Waldfriedhofs Zehlendorf vorab: Macht euch ein Foto vom Lageplan. Wir haben einen kurzen Blick darauf geworfen und dachten, dass er so groß ja schon nicht sein wird, um prominente Gräber zu verpassen. Sicherlich, es gibt größere Friedhöfe, aber unsere Ziele, die Grabstätten von Hildegard Knef und Willy Brandt haben wir trotzdem nicht gefunden. Mehr als vierzig Ehrengrabstätten gibt es auf dem Friedhof. Das umfasst Personen, die in irgendeiner Form, sei es Politik, Architektur, Kultur oder Bildung, die Stadt Berlin bereichert haben. Dazu gehören beispielsweise der ehemalige Bürgermeister Ernst Reuter oder der Schauspieler Günter Pfitzmann.

Grabstätte von Paul Löbe.

Der Friedhof ist recht neu, er entstand erst nach dem 2. Weltkrieg. Entsprechend fehlen hier riesige Mausoleen oder alte Grabsteine. Das Schöne an dem Waldfriedhof ist die Integration in einen Wald. Die verantwortliche Landschaftsarchitektin Herta Hammerbacher plante den Friedhof in einem schon bestehenden Kiefernwald. Dafür wurden einige Bäume abgeholzt und andere blieben stehen. Die ganze Anlage wirkt wie eine breite parkähnliche Allee, von der Wege in den Wald abzweigen.

Blick auf einen ausgedünnten Waldbereich.

Eine Variante der Friedhofsgestaltung, die ich hier entdeckte und vorher nicht kannte, ist der Memoriam-Garten. Anstatt abgetrennte Grabbereiche führen gewundene Wege an Blumenflächen vorbei, in denen einzelne Grabsteine stehen. Dazwischen sind immer wieder Bänke und einen kleinen Wasserlauf gibt es auch. Dieser Abschnitt sieht mehr nach einem Park aus als nach einem Friedhof. Ich finde die Idee dahinter, Erinnerung und Gartenkultur zu vereinen, wunderbar.

Wiese mit Grabplatten und im Hintergrund ein Kreuz und italienische, deutsche und europäische Fahnen.

Einen näheren Blick wert ist die italienische Kriegsgräberstätte. Sie ist von den anderen Flächen durch Bäume abgetrennt. Vor einem großen Kreuz befindet sich eine Rasenfläche mit Grabplatten. Mehr als 1000 Italiener sind hier bestattet. Sie waren Kriegsgefangene und Militärinternierte. Hier liegen auch die italienischen Opfer des Massakers von Treuenbrietzen. Dort wurden im April 1945 mehr als hundert italienische Zwangsarbeiter von der Wehrmacht erschossen. Im Eingangsbereich zum Italienischen Ehrenfriedhof sind in einem Kreis Platten angebracht, die die Namen der hier bestatteten Personen nennen. Eine Metallskulptur aus vielen kleinen, trauernden Figuren dient als Denkmal und Mahnmal an die Gefallenen.

Metallskulptur mit Patina, die wie ein Mensch mit geneigtem Kopf aussieht.

Unser unkoordinierter Spaziergang dauerte etwa anderthalb Stunden. Hier lässt sich auch deutlich mehr Zeit verbringen und in Ruhe durchatmen. Nur wenige Menschen sind unterwegs, wobei einige Gräber besuchen und andere, wie wir spazieren gehen und auf den vielen Bänken frische Luft schnappen.

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