Auf Entdeckungstour durch Berlin und die Welt
Eingangsbereich zur Ausstellung mit Eisbär- und Forschungsschiffbildern an der Decke.

Ausflug in eisige Welten: Polar Experience

Das erste Mal hörte ich Ende letzten Jahres von der Ausstellung „POLAR EXPERIENCE – Die Immersive Ausstellung über die Arktis und Antarktis“ und dachte, dass der Besuch ein cooles Geschenk für meine Eltern sei. Zu dem Zeitpunkt waren die Googlebewertungen voll des Lobes. Mittlerweile sehen sie eher durchwachsen aus, bemängeln die Größe der Ausstellung, die thematische Ausrichtung, den Preis … Hilft ja nichts, als sich selbst ein Bild zu machen.

Erstmal die harten Fakten: Die Eintrittspreise hängen vom gewählten Tag ab, aber unter 20 Euro kommt eine erwachsene Person nicht herein. Die Ausstellung unterteilt sich in sechs Räume und einem Eingangsbereich mit Exponaten, der zugleich Souvenirshop ist. Entstanden ist die Ausstellung in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Institutionen wie dem Alfred-Wegener-Institut.

Schifffahrt, Arktis- und Antarktis-Besuch und Plastiktiere

Mein Highlight war der dritte Raum mit den Videoinstallationen zur Arktis und Antarktis. Die Ausstellung startet im Eingangsbereich: Hier lassen sich die ersten Exponate wie ein Tauchroboter, ein Schlitten oder Ausrüstung für Polarexpeditionen entdecken. Der Bereich geht nahtlos in einen Souvenirladen über, sodass sich auf das nächste Zeitfenster Wartende und die Ausstellung Verlassende mischen. Das wirkt ein wenig lieblos und unkoordiniert, aber so lässt sich die kurze Wartezeit mit allerlei Anschaubarem überbrücken.

AWI-Tauchroboter

Die Expedition beginnt in einem Raum mit einer Videovorführung. Sie schildert die Anforderungen an die Schiffe und deren Besatzung, die sich auf die Reise zur Arktis begeben. In dem Raum gibt es neben dem Video verschiedene Infotafeln zu den Forschungsschiffen. Nach dieser „Reise“ zum Zielort führt ein kleiner Flur mit Eisfotos zum größten Bereich, dem Raum, in dem jeweils zwei Videoinstallationen zur Arktis und Antarktis laufen.

Foto von Eisstrukturen

Der nächste Raum liefert Informationen zur Polarforschung und widmet sich vier Tieren, die in diesen Kälten überleben: dem Eisbären, dem Pinguin, der Robbe und dem Seeadler. Neben den Infotafeln lohnt es sich eindeutig, hier in den Audioguide hineinzuhören, weil Tierforscherinnen von ihren „Untersuchungsobjekten“ mit Begeisterung und Fachwissen berichten.

Robbenfigur aus Plastikmüll.

In einem weiteren Raum kommen Ureinwohnerinnen zu Wort, die davon erzählen, wie der Klimawandel, verschwindende Tiere und Eis ihr Leben und ihre Traditionen beeinflussen. Hier ist muckelig klein, die Sitzplätze überschaubar und vor der Leinwand mit Video laufen immer wieder Menschen durch, sodass sich mir hier die Frage stellt, ob es sich nicht besser hätte aufbauen lassen …

Der letzte Raum animiert zum Mitmachen und Nachdenken über die Auswirkungen des Klimawandels und das Mitwirken des eigenen Lebensstils daran. Er ist bunt und hoffnungsvoll, allerdings habe ich mich hier nicht lange aufgehalten, da meine Begleiter ungeduldig wurden …

Immersiv? Eher nicht …

Gerade die Beschreibung „immersive“ Ausstellung erhöhte meine Erwartungen: Ich erwartete dadurch nicht einfach nur Infotafeln und Fotos, sondern das Eintauchen in die Arktis und Antarktis.

Die vielen Videos und Expertenstimmen gestalten die Ausstellung anders als einen klassischen Museumsbesuch, bei dem es viel zu lesen und an starren Exponaten zu sehen gibt. Aber der größte Raum mit den Video-Darstellungen der Arktis und Antarktis hätte so viel mehr bieten können.

Zum einen ist es schade, dass es keine „Decke“ gibt, die mit einem Nachthimmel bespielt wird. Oder zumindest die Illusion eines geschlossenen Raumes erweckt. Denn so sitzen die Besucher halt in einer großen Halle, in der eine Videoinstallation auf zwei Wände gespiegelt abläuft.

Zum anderen nehmen der Spiellärm und die Ansagen aus der nebenan laufenden Bubble-Planet-Erlebniswelt einiges an Möglichkeit, sich in die Installation zu vertiefen. Das liegt auch daran, dass es immer nötig ist, den Audioguide in der Hand zu behalten, um zu lauschen, wann etwas erzählt wird und wann nicht …

Und zu guter Letzt hätte auch die Videoinstallation mehr Potenzial gehabt: Warum so viel animieren, wenn reale Bilder absolut ausreichend wären?

Und das will ich nicht bestreiten, die echten Bilder sind hinreißend! Vom riesigen Schelfeis und der Weite des Schnees bis hin zu den herumstreifenden Eisbären – klar, lässt sich sowas am heimischen Fernseher sehen, aber nicht in dieser Dimension. Richtig toll fand ich die Animationen auf dem Boden mit Walen und Pfotenspuren, die sich nähern und wieder verschwinden.

Lohnt es sich?

Trotz meiner Kritik: Mir gefiel die Ausstellung. Sie ist abwechslungsreich. Gerne hätte sie größer sein können und manche Themen tiefer beleuchten. Der Besuch lohnt sich für alle, die sich für die Polarregionen und Expeditionen interessieren, aber keine Experten auf dem Gebiet sind und nicht nur Texte lesen und Fotos sehen wollen. Die Ausstellung geht noch bis zum 6. April.

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