Auf Entdeckungstour durch Berlin und die Welt
Grüne Blätter und rote Staudenblüte

Sonntagsspaziergang im Botanischen Garten

Von Berlin Mitte aus gesehen, ist der Botanische Garten in Steglitz ziemlich weit weg. Mit der S-Bahn dauerts vom Nordbahnhof aus schon mindestens eine halbe Stunde, um dort hinzugelangen. Aber wie imposant ist es, dass der Botanische Garten einen eigenen Bahnhof hat. Der sieht trotz Baustellen sogar ziemlich schick aus. Vom Bahnhof aus sind es dann noch einmal knapp zehn Minuten zum Eingang zu laufen. Denn der Haupteingang ist bis nächstes Jahr gesperrt und alles findet jetzt über die Seiteneingänge statt. Selbst am Wochenende ist es an den Kassen nicht voll. Wir haben unser Ticket jedoch vorab online gebucht. Für sechs Euro lässt sich hier der Tag schon rumbringen. Den Vorabkauf empfehle ich auch allen anderen. Denn für die Gewächshäuser gibt es Zeitfenster und spontan kommt da keiner rein.

Blick auf das Gelände des Botanischen Gartens mit einzelnen Bäumen, einem Gewächshaus und im Hintergrund blauer Himmel.

Das Highlight: die Gewächshäuser

Die Gewächshäuser sind der Grund, warum sich der Besuch des Botanischen Garten auch im Winter oder bei Schlechtwettertagen lohnt. Das Große Tropenhaus hat mehrere kleinere Gewächshäuser mit unterschiedlichen Klimazonen anliegen, sodass sich ein Spaziergang durch die verschiedenen Klimazonen machen lässt. Es geht durch die Pflanzenwelt von Wüsten und Regenwäldern. Üppige Palmen und Wucherpflanzen im einen Haus werden abgelöst von Kakteen im anderen. Wer mit feuchter Luft gar keine Probleme hat, muss unbedingt das Gewächshaus mit den Wasserpflanzen besuchen. Das Viktoriahaus ist über 100 Jahre alt und hat seinen Namen von der Riesenseerose Victoria. Bei unserem Besuch hat leider keine der Wasserpflanzen imposante Blüten. Dafür hatte ich das Gefühl, dass ich die Luft dort trinken kann. Ab und an sind Wegweiser im Gewächshaus zu erkennen, aber bei der schieren Größe lässt sich leicht der Überblick verlieren. Wer nur schaut, braucht trotzdem mindestens anderthalb Stunden, um alle Pflanzenwelten zu erkunden. Ein Foto auf den Trittsteinen vor dem kleinen Wasserfall im Haupthaus gehört für mich übrigens zum absoluten Muss.

Künstlicher kleiner Wasserfall mit Teich und runden Trittsteinen.

Das Gewächshaus ist mit seiner Glas-Stahl-Konstruktion auch von außen sehr sehenswert. Mit einer Höhe von mehr als zwanzig Metern ist das Jugendstil-Gebäude nicht zu übersehen. Hier sammeln sich zudem alle Besucher, die auf der Suche nach einem Snack oder Getränk sind. Denn hier findet sich auch das einzige gastronomische Angebot der gesamten Anlage. Daher für einen Besuch unbedingt Verpflegung einpacken. Die Schlangen vor dem Café sind nichts für den hungrigen oder durstigen Magen.

Grüne tropische Pflanzen in einem Gewächshaus.

Mehr Wegweiser und Schilder wären nett

Auch außerhalb des Tropenhauses gibt es viel zu entdecken, schließlich gehört der Botanischen Garten zu den größten auf der Welt. Entstanden ist er zu Beginn des 20. Jahrhunderts und er hatte damals schon das Ziel die pflanzliche Vielfalt den Besuchern sichtbar zu machen. Der Zweite Weltkrieg riss riesige Lücken in die wissenschaftliche Arbeit des Gartens. Heute sind Garten und Museum in die FU eingegliedert. Die einzelnen Bereiche sind dementsprechend mit Themen wie Herkunft oder Nutzung der Pflanzen unterteilt. Interessant fand ich den Küchenkräuter- und Arzneimittelgarten. Zwischendrin gibt es neben den Pflanzen noch reichlich Skulpturen zu entdecken und viele Bänke, um Pause zu machen. Der Besuch des Botanischen Museum fiel leider flach, da es bis Ende des Jahres aufgrund von Bauarbeiten geschlossen ist.

Zartrosa Blütenballen an einem Baum und im Hintergrund blauer Himmel.

Die Baustellen vom Eingang ziehen sich auch durch das Areal des Botanischen Gartens. Hinzu kommt, dass sie nicht deutlich abgegrenzt sind. Wir standen plötzlich in einem Areal voller Absperrungen, ohne dass wir wussten, dass wir in eine Baustelle gelaufen sind. Die nicht sichtbaren Informationen sind dementsprechend für mich ein Kritikpunkt. Das betrifft nicht nur die Wegführung, sondern auch die Hinweisschildchen zu den Pflanzen. Gerne hätte ich mehr Informationen zu den Pflanzen gehabt, die ich sehe. Die kleinen Schilder neben einigen Pflanzen scheinen noch aus dem 20. Jahrhundert zu sein, so verwittert und unlesbar sind sie. Manch eine Pflanze hat dann auch gar kein Schild. Das ist enttäuschend für jemanden wie mich, der auch gerne nebenbei etwas lernt. Am besten ist es, sich treiben zu lassen und die Pflanzen zu genießen oder sich eine botanisch bewanderte Person als Begleitung zu suchen.

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